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  • Angela Beltz

Cholesterin


Was geht bei diesem Wort in dir vor? Lass mich raten: „Uaaaaahhhh, böses Fett!“? Oder: „… ist schuld an Gefäßerkrankungen“? So in etwa? Dann habe ich jetzt etwas zu tun, nämlich das Wort „Cholesterin“ positiv zu besetzen.


Vor einigen Jahrzehnten ist dieses Lipid in Verruf geraten weil man herausgefunden hat, dass Gefäßerkrankungen mit einem hohen Cholesterinwert einhergehen. Und schon war das Cholesterin der Sündenbock. Eier und Butter waren plötzlich verpönt, auch fettes Fleisch und fetter Fisch gerieten in Verruf. Der Run auf Margarine begann (nebenbei: Margarine besteht meist aus gehärteten Fetten, die WIRKLICH SEHR SCHÄDLICH sind; du ahnst es: Cholesterin ist es nicht!). Eierreiche Kuchenrezepte wurden mit Ei-Alternativen ausgestattet (was allgemein keine schlechte Idee ist, denn ein hoher Anteil an tierischen Lebensmitteln ist aus anderen Gründen nicht empfehlenswert). Nach Blutuntersuchungen bangte man fortan wegen der Cholesterinwerte.


Cholesterin-Lüge?


Irgendwann dann die Entwarnung: Stimmen wurden laut, die von der „Cholesterin-Lüge“ sprachen. Nun war die Verwirrung perfekt. Ja, was denn nun???


Was genau ist Cholesterin nun eigentlich?


Zunächst einmal: Cholesterin ist ein ganz natürlich im Körper vorkommendes Lipid. Wir benötigen es, da unsere Zellmembrane damit aufgebaut und repariert werden. Auch für die Produktion der Gallenflüssigkeit und von Hormonen, wie z.B. Sexualhormone, Cortisol und Vitamin D (ja, das ist eigentlich auch ein Hormon) wird es gebraucht. Es dient als Baustoff und Isolationsmaterial für Nervengewebe und für Organe, z.B. für die Nebennieren und das Gehirn (letzteres besteht zu 20% aus Cholesterin). Und weil es so wichtig ist, können fast all unsere Körperzellen es selbst herstellen. Das meiste wird jedoch in der Leber produziert, gefolgt vom Gehirn und dem Darm.

Hierfür verwendet der Körper nicht nur das selbst hergestellte Cholesterin, sondern auch das aus unserer Nahrung. Na, das klingt doch schon besser, oder?


Sollten wir deshalb viel Cholesterin zu uns nehmen?


Zugegeben: Durch unsere moderne Ernährungsweise verzehren viele Menschen cholesterinhaltige Lebensmittel in großen Mengen. Jedoch ist die körpereigene Cholesterin-Produktion viel höher:


Etwa 90 % unseres Cholesterinbedarfs deckt der Körper durch die Eigenproduktion.


Damit ist der Cholesteringehalt in der Nahrung im Hinblick auf den Cholesterinspiegel im Blut nahezu irrelevant - und muss nicht durch die Nahrung im großen Stil durch tierische Fette (wie es leider häufig der Fal l ist) zugeführt werden. Die Ernährung hat also keineswegs einen so großen Einfluss auf den Cholesterinspiegel, wie uns lange Zeit vermittelt wurde.


Fun(?)fact: Die Studien, mithilfe derer man einen negativen Einfluss eines hohen Cholesterinspiegels herausfand, wurden an Kaninchen durchgeführt, die mit großen Mengen an Butter gefüttert wurden. Kaninchen. Butter. Mehr muss man dazu nicht sagen ... Später wurden dann Untersuchungen durchgeführt mit Ratten und Menschen, also mit Allesessern. Man fand heraus, dass eher ein niedriger Cholesterinwert bei Männern zu Impotenz und allgemein zu einer Störung der Libido und zu hohen Sterberaten führt.


Was hat es dann mit den Gefäßablagerungen auf sich?


Die Ablagerungen an Gefäßwänden bestehen nur zu einem geringen Anteil aus Cholesterin. Weitere, anteilig höhere Stoffe sind Proteine und Calcium. Sollten wir also unsere Protein- und Calciumzufuhr reduzieren? Nein. Aber warum findet man diese Stoffe in Kombination mit Cholesterin an den Gefäßwänden?


Die Verklebung der Gefäßwände mit Cholesterin, Calcium und Proteinen ist ein körpereigener Schutzmechanismus. Arteriosklerose ist also keine Krankheit, sondern „lediglich“ ein Symptom. Dass ein Gefäß von innen verklebt wird, hat in der Regel den Grund, dass das Gefäß ansonsten undicht würde. Ein undichtes Blutgefäß würde zu inneren Blutungen, und damit möglicherweise zum Tode führen. Bleibt die Frage, warum ein Blutgefäß undicht wird.


Dinge werden brüchig, wenn sie an Elastizität verlieren. Im Falle unserer Blutgefäße sorgt Collagen dafür, dass sie elastisch bleiben. Für die Herstellung von Collagen benötigt unser Körper Vitalstoffe, vor allem Vitamin C. Bei einer vitalstoffarmen Ernährung fehlt uns also Collagen, und folglich werden unsere Blutgefäße porös. Hinzu kommt, dass mit dem Vitamin C als Nährstoff auch ein starker Antioxidant[1] fehlt, das die Zellen und Blutgefäße vor freien Radikalen, und damit vor Störungen schützt. So oxidiert dann auch das Cholesterin, welches sich nun besonders gut an den Gefäßwänden anlagert. Zusätzlich werden Eiweiße und Calcium verwendet, um die Risse zu kitten.


Je mehr Risse an den Blutgefäßwänden entstanden sind, desto mehr Cholesterin wird – unabhängig von der Ernährung – von der Leber gebildet und über das Blut zur richtigen Stelle geliefert. Somit erhöht sich der Cholesterinspiegel im Blut. Bei Blutuntersuchungen wird dann zwischen HDL (das angeblich „gute“ Cholesterin) und LDL (das angeblich „schlechte“ Cholesterin) unterschieden.


HDL und LDL


Was hat es nun mit diesen beiden Cholesterin-Arten auf sich? Warum wird die eine als gut und die andere als schlecht bezeichnet?


Nun, bei HDL und LDL handelt es sich tatsächlich gar nicht um Cholesterin, sondern um Transportproteine. Cholesterin ist nicht wasserlöslich, weshalb es Transportproteine benötigt, um die Blutbahn passieren zu können. Dabei ist das LDL (Low Density Lipoprotein) das Transportprotein, das das Cholesterin von der Leber zu der Stelle im Körper transportiert, wo es benötigt wird, während das HDL (High Density Lipoprotein) das überschüssige Cholesterin zurück zur Leber transportiert. Beide haben also eine wichtige Funktion und sind daher weder als gut noch als schlecht zu bewerten. Sie sind schlichtweg beide notwendig.


Was kann man also gegen Arteriosklerose tun?


Wie oben beschrieben, benötigen unsere Blutgefäße Vitalstoffe, v.a. Vitamin C und andere Antioxidantien, um elastisch und gesund zu bleiben. Eine vitalstoffreiche Ernährung mit möglichst frischen Lebensmitteln, komplexen Kohlenhydraten, hochwertigen Fetten (z.B. Nüsse und Kerne) und wenig industriell verarbeiteten Lebensmitteln beugt nicht nur Arteriosklerose, sondern auch anderen Zivilisationskrankheiten vor. Heidelbeeren sagt man übrigens einen besonders hohen Anteil an Antioxidantien nach.


Auch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, Bewegung und Entspannung schützt den Körper vor oxidativem Stress.


Fazit


Cholesterin ist nicht ungesund. Das heißt NICHT, dass wir Lebensmittel, die reich an Cholesterin sind, nach Herzenslust essen sollten. Denn hierbei handelt es sich größtenteils um tierische Lebensmittel, deren übermäßiger Verzehr andere Probleme mit sich bringt, z.B. Übergewicht, Gelenkerkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem, chronische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen etc. Denn bei übermäßigem Verzehr und minderer Qualität (z.B. aus Massentierhaltung/nicht artgerechter Haltung und Fütterung der Tiere; dieser Anteil an tierischen Lebensmitteln macht leider noch immer über 90% der verzehrten tierischen Lebensmittel aus) stören sie unseren Säure-Basen-Haushalt, unsere Darmflora, das Verhältnis zwischen den von uns benötigten Fettsäuren - eben unser ganzes Gleichgewicht (Homöostase) empfindlich. Aber den Begriff Cholesterin an sich dürfen wir gerne durch eine andere Brille sehen als die, die uns in den letzten Jahrzehnten aufgesetzt wurde.


[1] Antioxidantien können sowohl Vitamine als auch Mineralstoffe oder Spurenelemente sein. Sie schützen den Körper vor oxidativem Stress, der durch freie Radikale entsteht. Freie Radikale sind Moleküle, denen an der Oberfläche ein Elektron fehlt. Dieses Elektron stehlen sie von anderen Molekülen, häufig von Zellmembranen. Diese werden nun wiederum auch zu freien Radikalen und stehlen ihrerseits einem anderen Molekül das Elektron. Diese Kettenreaktion nennt man oxidativer Stress. Antioxidantien durchbrechen diese Kettenreaktion, indem sie das fehlende Elektron „spenden“, ohne selbst zum freien Radikal zu werden.

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